QV 2026: KV-Lernende stehen vor einer besonderen Premiere
Mit der KV-Reform von 2023 verändern sich auch die Abschlussprüfungen. Im Mai und Juni 2026 findet das erste QV nach der neuen Reform statt. Damit sich die Lernenden mit den neuen Prüfungsformaten vertraut machen und sich gezielt vorbereiten können, hat die WSKVW spezielle QV-Trainingstage organisiert. Eine Lernende erzählt, wie ihr der erste Trainingstag geholfen hat, anfängliche Nervosität in Zuversicht umzuwandeln.
Im Juni 2026 schliessen die ersten KV-Lernenden ihre Ausbildung nach der Reform von 2023 ab. Die grösste Veränderung der Reform ist, dass die Lernenden neu in Handlungskompetenzbereichen (HKB) unterrichtet werden und nicht mehr in klassischen Fächern. Das heisst, dass auch die anstehenden Abschlussprüfungen neu handlungskompetenzorientiert gestaltet werden. Zum einen gibt es mehr mündliche Prüfungen, zum anderen wird die grosse schriftliche Prüfung neu auf einer digitalen Plattform durchgeführt und verbindet mehrere Handlungskompetenzbereiche miteinander. Allgemein liegt der Fokus der Abschlussprüfungen auf realitätsnahen und themenübergreifenden Aufgaben aus dem Arbeitsalltag, bei denen die Lernenden ihr Wissen verknüpfen und anwenden müssen.
Mit neuen Strategien zum Erfolg
Für die KV-Lernenden bedeuten die neuen Prüfungsformate eine gewisse Unsicherheit, da sie sich nicht mit alten Prüfungen aus den Vorjahren aufs QV vorbereiten können. Um den Lernenden konkrete Übungsmöglichkeiten zu bieten und somit mehr Sicherheit zu schaffen, hat die WSKVW drei spezielle QV-Trainingstage organisiert.
In diesen Trainingstagen entwickeln die Lernenden Prüfungsstrategien, üben die neuen Prüfungsformate – wie Rollenspiele und MiniCases – in Gruppen ein, geben sich gegenseitig Feedback, repetieren Inhalte und absolvieren Probeprüfungen. Ein grosser Schwerpunkt liegt auf den neuen mündlichen Prüfungsformaten, damit die Lernenden genügend Übungsmöglichkeiten erhalten. Die ersten beiden Vorbereitungstage haben im Januar und Februar stattgefunden, der dritte Tag folgt im April.
Die Lernende Selina Haldemann erzählt, wie sie den ersten QV-Vorbereitungstag erlebt hat
Wie haben Sie sich vor dem ersten QV-Trainingstag gefühlt?
Selina Haldemann: «Ich wusste noch nicht genau, was auf mich zukommen würde – weder im Hinblick auf den QV-Trainingstag noch auf die bevorstehenden Abschlussprüfungen. Diese Ungewissheit hat bei mir eine gewisse Anspannung ausgelöst. Ich hatte grossen Respekt vor den kommenden Herausforderungen, besonders weil ich ein sehr strukturierter Mensch bin und gerne im Voraus weiss, welche Anforderungen auf mich warten und wie ich mich optimal darauf vorbereiten kann.»
Wie haben Sie die Stimmung bei Ihren Mitschülerinnen und Mitschülern wahrgenommen?
«Viele wirkten zunächst ebenfalls etwas unsicher oder angespannt. Als wir jedoch die ersten Unterlagen erhielten, lockerte sich die Atmosphäre merklich. Die bereitgestellten Informationen – beispielsweise zum Ablauf der mündlichen HKB-D-Prüfung sowie die entsprechende Wegleitung – sorgten für mehr Transparenz und Orientierung. Dadurch entstand ein erstes Gefühl von Sicherheit.»
Wie blicken Sie nach dem ersten QV-Trainingstag auf die Abschlussprüfungen?
«Nachdem ich nun die notwendigen Informationen zur Vorbereitung erhalten habe, fühle ich mich deutlich weniger nervös. Inzwischen betrachte ich das QV nicht mehr primär mit Unsicherheit, sondern vielmehr als eine spannende und wertvolle Herausforderung. Mit den passenden Lernmethoden, einem klar strukturierten Lernplan sowie durchdachten Strategien bin ich zuversichtlich, dass ich die bevorstehenden Prüfungen erfolgreich bewältigen werde.»
Der schulische Teil der neuen QV-Prüfungen setzt sich wie folgt zusammen:
1) Mündliche Prüfung im HKB A (Kaufleute EFZ)
Thema: Handeln in agilen Arbeits- und Organisationsformen
Im Vorfeld der Prüfung schreiben die Lernenden eine Vertiefungsarbeit. Am Prüfungstag präsentieren sie die Arbeit und beantworten Fragen dazu. Im zweiten und dritten Teil dieser mündlichen Prüfung erhalten die Lernenden je einen praktischen Anwendungsfall zum Thema individuelle Lebensgestaltung und nachhaltige Entwicklung. Während je etwa acht Minuten müssen sie beschreiben und begründen, wie sie im entsprechenden Fall vorgehen würden.
2) Schriftliche Prüfung im HKB BCE (Kaufleute EFZ + Kaufleute EFZ mit berufsbegleitender BM1)
Themen: Interagieren in einem vernetzten Arbeitsumfeld, Koordinieren von unternehmerischen Arbeitsprozessen, Einsetzen von Technologien in der digitalen Arbeitswelt
In der schriftlichen Prüfung werden drei HKBs miteinander verknüpft. Die Lernenden absolvieren auf einer digitalen Prüfungsumgebung (openbook) eine geleitete Fallarbeit. Sie erhalten den Beschrieb einer Ausgangslage zu einem realen beruflichen Praxisfall, der in mehrere Teilaufgaben unterteilt ist.
3) Mündliche Prüfung im HKB D (Kaufleute EFZ + Kaufleute EFZ mit berufsbegleitender BM1)
Thema: Gestalten von Kunden- und Lieferantenbeziehungen
Diese mündliche Prüfung ist in drei Teile gegliedert und prüft die Sprachkompetenzen der Lernenden. Zuerst absolvieren sie ein Rollenspiel auf Englisch. Danach lösen sie je einen «Critical Incident» (eine kommunikative erfolgskritische Situation) auf Englisch und auf Deutsch.